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Souveräne Telco-Edge-Cloud für Europa: Die Rolle von IONOS CLOUD bei EURO-3C

Handy mit Europasternen, Schloss und Europaflagge auf einer Weltkarte

Cloud und Telekommunikation wachsen zusammen und stärken Europas digitale Souveränität

Europas digitale Zukunft braucht eine Infrastruktur, die über Grenzen und Unternehmen hinweg zusammenarbeitet. Im Projekt EURO-3C bauen mehr als 80 Organisationen deshalb gemeinsam eine souveräne Telco-Edge-Cloud auf. Wir bei IONOS sind als einer von zwei spezialisierten europäischen Cloud-Anbietern dabei. In diesem Beitrag zeigen wir, welche Infrastruktur, welches Kubernetes-Know-how und welche Sicht auf offene Standards wir einbringen.

Warum Europa eine souveräne, föderierte Telco-Edge-Cloud braucht

Der globale Wettbewerb um künstliche Intelligenz, Cloud Computing und moderne Netze verändert die digitale Wirtschaft grundlegend. Für Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Betreiber kritischer Dienste wird digitale Souveränität damit zur Kernanforderung. Sie wollen selbst über Infrastruktur, sensible Daten und technologische Entscheidungen bestimmen.

Bislang halten europäische Cloud-Anbieter allerdings nur rund 15 Prozent des europäischen Marktes für Cloud-Infrastruktur. Den Großteil teilen sich außereuropäische Hyperscaler. Diese Abhängigkeit berührt wirtschaftliche Fragen ebenso wie Resilienz, Datenschutz und die Reichweite ausländischer Gesetze wie des US CLOUD Act. Um sie zu verringern, müssen Netzbetreiber und Cloud-Anbieter ihre Infrastruktur enger verzahnen. Genau hier setzt EURO-3C an.

EURO-3C: So entsteht das europäische Telco-Edge-Cloud-Kontinuum

EURO-3C ist Teil von Horizon Europe, dem Forschungs- und Innovationsprogramm der EU, und läuft von Juli 2026 bis Juni 2029. Das Projekt setzt die Idee der Connected Collaborative Computing Networks (3CN) in die Praxis um. Gemeint sind Netze, in denen Konnektivität und Rechenleistung vieler Beteiligter wie ein einziges System zusammenwirken. Diese Vision skizzieren unter anderem der Draghi-Bericht und ein Weißbuch der Europäischen Kommission zur digitalen Infrastruktur.

Im Konsortium arbeiten mehr als 80 Organisationen zusammen, darunter 13 große Netzbetreiber, Cloud-Anbieter, Systemintegratoren, Forschungseinrichtungen und Industrieunternehmen. Sie binden mehr als 70 produktive Edge-Knoten in mindestens 13 Ländern ein. Die Forschung reicht von der Verzahnung von Netz und Cloud bis zur KI-gestützten Automatisierung. Hinzu kommen Zero-Trust-Sicherheit und faire europäische Geschäftsmodelle für die Zeit nach dem Projekt.

Was wir bei IONOS zum Zusammenspiel von Telekommunikation und Cloud beitragen

Lange Zeit liefen Cloud-Infrastruktur und Telekommunikationsnetze in getrennten Welten. Public-Cloud-Plattformen waren auf klassische IT-Workloads ohne feste Leistungszusagen ausgelegt, Netzbetreiber virtualisierten ihre Netzfunktionen in eigenen Infrastrukturen. EURO-3C führt beides in einer souveränen Telco-Edge-Cloud zusammen: skalierbare Rechenleistung und planbare Netzverbindungen.

Gemeinsam mit OVHcloud sind wir einer der beiden spezialisierten europäischen Cloud-Anbieter im Konsortium. Unsere Partner auf Netzseite sind unter anderem Telefónica, Deutsche Telekom, Orange, Vodafone, TIM, BT, KPN, Swisscom und Telenor.

Für das Pilotprojekt stellen wir 17 Edge-Knoten in vier Ländern bereit: in Deutschland (Frankfurt, Berlin), Großbritannien (Worcester), Spanien (Logroño) und Frankreich (Paris, Niederlauterbach). Dahinter steht unsere europäische Infrastruktur mit mehr als 100.000 Servern in 31 Rechenzentren, davon neun eigene. Laut dem IONOS Nachhaltigkeitsbericht 2025 nutzen sie zu 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen. Ihre gewichtete Power Usage Effectiveness (PUE) liegt bei 1,37. Je näher dieser Wert an 1,0 liegt, desto weniger Energie fließt neben der IT in Kühlung und Gebäudetechnik.

Cloud-Infrastruktur für die Telekommunikation: Kubernetes und KI-gestütztes CaaS

Telekommunikations-Workloads stellen hohe Anforderungen: maximale Zuverlässigkeit, planbare Latenzen und eine Ressourcenverteilung, die den Zustand des Netzes berücksichtigt. Deshalb erweitern wir unsere Plattform gezielt für Anwendungen aus der Telekommunikation.

Im Arbeitspaket 2 arbeiten wir an einem KI-gestützten System für das Lebenszyklusmanagement von Diensten. Es basiert auf Container-as-a-Service (CaaS) und Kubernetes und nutzt GitOps. Dabei dient ein Git-Repository als verbindliche Quelle für die gesamte Infrastrukturkonfiguration. Vorausschauende Algorithmen sagen Lastspitzen voraus und skalieren Ressourcen rechtzeitig. Ziel ist eine um 25 Prozent bessere Auslastung von CPU, Speicher und Netz als bei Skalierung nach festen Schwellenwerten.

Zusätzlich lassen sich die Container-Umgebungen mit hardwarebeschleunigter Zero-Trust-Sicherheit schützen. Zero Trust bedeutet: Das System prüft jede Zugriffsanfrage, statt einem Bereich grundsätzlich zu vertrauen. Workloads können etwa in Confidential-Computing-Enklaven laufen, also in besonders abgeschirmten Bereichen des Prozessors. Das Ziel: nach einem Angriff in 95 Prozent der Fälle in weniger als einer Sekunde wieder voll einsatzfähig sein.

Offene Orchestrierung: deklarative Steuerung für Kubernetes

Ein Grundprinzip unserer Arbeit in EURO-3C ist Offenheit. Damit keine Abhängigkeit von einzelnen Plattformen entsteht, brauchen Cloud-Steuerungsebenen standardisierte, deklarative Schnittstellen. Wer sie nutzt, beschreibt nur den gewünschten Zielzustand. Den Weg dorthin übernimmt die Plattform.

Wir entwickeln solche offenen Managementschichten für Kubernetes mit. Sie fügen sich nahtlos in europäische Open-Source-Ökosysteme und in IPCEI-CIS ein. Mit diesem Großprojekt fördern mehrere EU-Staaten die Cloud-Infrastruktur der nächsten Generation. Über die Managementschicht richten Netzbetreiber und Unternehmenskunden Managed-Kubernetes-Cluster auf der IONOS Infrastruktur ein, steuern und skalieren sie. Dafür nutzen sie standardisierte Custom Resource Definitions (CRDs), mit denen sich Kubernetes um eigene Ressourcentypen erweitern lässt. So bleiben Ressourcen portabel und über Betreibergrenzen hinweg nutzbar.

Föderation: Wie Cloud-Anbieter und Netzbetreiber ihre Ressourcen europaweit bündeln

Kein Unternehmen kann ein europaweites Edge-Ökosystem allein aufbauen. Damit Rechenleistung in ganz Europa praktisch überall verfügbar ist, brauchen wir ein offenes Föderationsmodell. Darin stellen unabhängige Betreiber ihre Rechen- und Netzressourcen gemeinsam bereit, ohne dass Anwendungen etwas davon merken. EURO-3C erprobt dafür drei Ansätze:

  • Liqo: Das Open-Source-Projekt verbindet Kubernetes-Cluster verschiedener Betreiber. So lassen sich Workloads dynamisch verlagern, die Anwendungen selbst bleiben unverändert.
  • GSMA Operator Platform: Über die Ost-West-Schnittstelle (EWBI) der GSMA orchestrieren Netzbetreiber Dienste gemeinsam und teilen Netzfunktionen.
  • Distributed Ledger: Verteilte Register schaffen Vertrauen zwischen unabhängigen Betreibern und dokumentieren vereinbarte Service-Level fälschungssicher.

Wer Anwendungen entwickelt, greift über standardisierte Netz-APIs nach dem CAMARA-Standard auf diese Funktionen zu. CAMARA ist ein Open-Source-Projekt der Linux Foundation und der GSMA.

Wo EURO-3C das Kontinuum in der Praxis erprobt

Das Konsortium testet die Technik in neun realen Anwendungsfällen aus vier Branchen:

  • Automobil: Fahrerassistenzsysteme werten Fahrdaten entlang grenzüberschreitender Verkehrskorridore in weniger als 100 Millisekunden aus und ermitteln im Verbund das Unfallrisiko.
  • Verkehr: Bahnbetreiber zählen Fahrgäste in Echtzeit per KI-Videoanalyse. Der Dienst läuft auch über die spanisch-französische Grenze hinweg ohne Unterbrechung und vollständig DSGVO-konform.
  • Energie: Ein KI-gestützter digitaler Zwilling steuert Stromnetze in Rumänien und Frankreich in Echtzeit und erstellt Prognosen.
  • Bevölkerungsschutz: EURO-3C unterstützt das European Critical Communication System (EUCCS), das Rettungskräften bei grenzüberschreitenden Einsätzen ausfallsichere Kommunikation bietet.

Was EURO-3C für Europa bedeutet: neue Chancen im Telekommunikationsmarkt

Für uns bei IONOS ist EURO-3C ein strategischer Meilenstein. Mit der souveränen Telco-Edge-Cloud gewinnt unsere Plattform genau die Orchestrierungs-, Föderations- und Netzfunktionen, die Unternehmen aus der Telekommunikation brauchen.

Die Fördervereinbarung des Projekts setzt ehrgeizige Ziele. Der Marktanteil europäischer Cloud-Anbieter soll im Zeitraum 2027 bis 2029 von heute rund 15 Prozent auf 35 bis 45 Prozent steigen. In Branchen mit strengen regulatorischen Anforderungen wie Verwaltung, Gesundheitswesen und Energieversorgung sind sogar bis zu 50 Prozent das Ziel.

EURO-3C soll zeigen, wie unabhängig betriebene Cloud-, Edge- und Telekommunikationsressourcen zu einer gemeinsamen europäischen Infrastruktur zusammenwachsen. In den kommenden Monaten teilen wir bei IONOS Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt.

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