Die letzten Monate haben gezeigt, dass digitale Souveränität sich längst vom politischen Schlagwort zur geschäftlichen Notwendigkeit gewandelt hat. Erst im November lud etwa Bundeskanzler Merz gemeinsam mit Frankreichs Präsident Macron zum Summit für Europäische Digitale Souveränität in Berlin ein. Der Summit hatte eine klare Signalwirkung: Europa will sich als Motor für digitale Unabhängigkeit positionieren.
Das Thema ist angekommen.
Wie notwendig das ist, zeigen nicht nur solche Gesetze wie der CLOUD Act, welcher es US-Behörden erlaubt auch auf europäische Daten zuzugreifen, unabhängig vom Standort des Servers. Unterstrichen wurde diese Notwendigkeit vor allem auch durch die geopolitischen Spannungen der letzten Wochen und Monate. Aktuelle Beispiele wie etwa die Blockierung des Outlook-Zugangs des Internationalen Strafgerichtshofs und nicht zuletzt die neue US National Security Strategy vom Dezember – in welcher Europa als „Kontinent im Niedergang“ beschrieben und angekündigt wird, „Widerstand“ gegen europäische Regulierung kultivieren zu wollen – sind dabei nur die Spitze des oft beschriebenen Eisberges.
Doch noch immer sind viele europäische Behörden und Unternehmen von US-Unternehmen abhängig. Besonders brisant wird dies etwa bei KI-Anwendungen. Trainingsdaten, Geschäftsgeheimnisse, Kundendaten – alles fließt in Systeme außerhalb europäischer Kontrolle. Die Lösung: europäische KI-Modelle, gehostet in europäischen Cloud-Umgebungen – souverän und mit offenen Standards.
Europas politische Antwort: IPCEI-CIS, EuroStack und SECA
Europa hat erkannt, dass digitale Souveränität koordinierte Anstrengungen braucht und nicht durch einzelne Unternehmen allein erreicht werden kann. Unterstrichen wird dies auch durch mehrere groß angelegte Initiativen, die eine europäische Cloud- und KI-Infrastruktur aufbauen sollen.
- IPCEI-CIS fördert gezielt Cloud- und Edge-Computing-Kapazitäten in Europa und setzt auf offene Standards und Interoperabilität.
- EuroStack entwickelt eine modulare Cloud-Stack-Architektur, die bewusst auf Unabhängigkeit von außereuropäischen Anbietern setzt.
- SECA, eine Initiative, an der auch IONOS beteiligt ist, definiert Sicherheits- und Compliance-Standards für vertrauenswürdige Cloud-Dienste und schafft Transparenz.
Diese Initiativen zeigen, dass digitale Souveränität längst keine theoretische Debatte mehr ist, sondern mit konkreten Projekten und Investitionen vorangetrieben wird. Die Message an die Unternehmen ist dabei klar: Ihr seid nicht allein. Wer jetzt auf europäische Infrastrukturen setzt, ist Teil einer größeren Bewegung.
KI braucht die richtige Cloud-Infrastruktur für digitale Souveränität
Künstliche Intelligenz ist nur so gut wie die Infrastruktur, auf der sie läuft. Europäische Cloud-Infrastrukturen bieten skalierbare Ressourcen on demand, sichere Datenräume mit DSGVO-konformer Verarbeitung und die Möglichkeit, KI-Modelle vollständig in europäischen Rechenzentren zu betreiben. Das wird besonders wichtig für Branchen mit strengen Compliance-Anforderungen – etwa im Gesundheitswesen, in der Finanzindustrie oder im öffentlichen Sektor.
Dabei geht der Trend weg von riesigen generalisierten Modellen hin zu kleineren, spezialisierten Systemen. Diese sind effizienter, näher am konkreten Anwendungsfall und lassen sich besser in europäischen Infrastrukturen betreiben. Diese Demokratisierung der KI macht sie auch für kleinere Unternehmen zugänglich.
Genau hier setzen wir bei IONOS an. Mit Momentum haben wir ein souveränes AI-Ökosystem entwickelt, das speziell auf die Bedürfnisse des Mittelstands zugeschnitten ist. Unser AI Model Hub bietet Zugang zu leistungsstarken Open-Source-Modellen, das AI Model Studio zu individuellem Fine-Tuning – alles 100 Prozent DSGVO-konform, gehostet in deutschen Rechenzentren. Ein entscheidender Unterschied: Unternehmensdaten werden nicht für das Training öffentlicher KI-Modelle verwendet. Die Kontrolle bleibt damit vollständig beim Unternehmen.
Was passiert, wenn Unternehmen nicht handeln?
Nicht zu handeln, stellt für Unternehmen erhebliche Risiken dar: Die Wettbewerbsfähigkeit leidet. Starke Abhängigkeit von einzelnen Anbietern bedeutet weniger Verhandlungsmacht und höhere Kosten. Zudem erschwert sie Innovationen, da sich proprietäre Technologien nicht ohne Weiteres durch bessere Alternativen ersetzen lassen.
Bußgelder und ein potenzieller Reputationsverlust lassen DSGVO-Verstöße teuer werden. Wenn Aufsichtsbehörden etwa bestimmte Dienste untersagen, müssen Unternehmen ihre Cloud-Strategie komplett überarbeiten, einhergehend mit massiven Mehrkosten.
Wer sich abhängig macht, verliert strategische Kontrolle. Denn wer die eigene Infrastruktur nicht kontrolliert, kann auch die digitale Zukunft nicht selbstbestimmt gestalten.
Was Unternehmen jetzt konkret tun können
Digitale Souveränität ist kein Zukunftsthema, sondern eine Aufgabe, die heute angepackt werden muss – gerade auch, wenn es um den Einsatz von KI geht. Bei IONOS arbeiten wir mit zahlreichen Unternehmen genau an dieser Transformation. Dabei geht es nicht per se um radikale Schnitte, sondern um strategische Schritte:
- Bestandsaufnahme: Wo liegen sensible Daten? Wer hat Zugriff? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten? Diese Transparenz ist die Basis für alle Entscheidungen.
- Europäische Cloud-Anbieter wählen: Nicht alle Daten müssen in Europa liegen, aber kritische Geschäftsdaten, personenbezogene Informationen und strategisch wichtige KI-Modelle sollten es. Europäische Anbieter bieten rechtliche Sicherheit und technische Kompetenz.
- KI-Modelle souverän betreiben: Genauso wie bei der Cloud, erfordert auch der KI-Einsatz in jedem Fall europäische Lösungen. Doch besonders in regulierten Branchen sollte dies zum Standard werden. Tools wie Momentum zeigen, wie das praktisch funktioniert: Open-Source-Modelle, individuelles Fine-Tuning und vollständige DSGVO-Konformität – ohne Abstriche bei Performance.
- Eigene KI-Agenten einsetzen: Die Demokratisierung der KI macht spezialisierte Assistenten auch für KMUs zugänglich. Statt Daten an externe Dienste zu senden, können Unternehmen eigene Agenten für konkrete Aufgaben trainieren – etwa für Kundenservice, Content-Erstellung oder Datenanalyse.
- Multi-Cloud für KI-Resilienz: Workloads auf mehrere Anbieter verteilen. Das erhöht nicht nur die Ausfallsicherheit, sondern ermöglicht auch ein flexibles Experimentieren mit verschiedenen KI-Modellen und Plattformen ohne Vendor-Lock-in.
- Compliance verankern: Klare Prozesse für Datenschutz, regelmäßige Audits und automatisierte Checks. Compliance ist kein Hindernis, sondern ein strategischer Vorteil.
Unser Learning: Digitale Souveränität ist machbar
Für uns bei IONOS ist klar: Digitale Souveränität ist nicht nur ein politisches Ziel, sondern eine praktische Notwendigkeit. Sie schützt vor rechtlichen Risiken und schafft strategische Handlungsfähigkeit.
KI und Cloud sind zwei (wenn nicht gar die) Schlüsseltechnologien dieser Transformation. Und mit Momentum haben wir ein souveränes AI-Ökosystem geschaffen, das KI-Modelle, Automatisierung und Cloud-Infrastruktur in einer DSGVO-konformen Plattform vereint – entwickelt, vor allem für den europäischen Mittelstand.
Wer diese Technologien jetzt klug einsetzt – in europäischen Infrastrukturen, unter europäischen Rechtsrahmen – sichert nicht nur seine Daten, sondern auch die eigene unternehmerische Zukunft. Digitale Souveränität beginnt mit der Entscheidung, selbstbestimmt zu handeln. Diese Entscheidung sollte heute fallen.